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Sonntag, 28. Oktober 2012

Ein kleiner Ausschnitt...

Ich lass euch in letzter Zeit wirklich warten, das tut mir leid. Aber jetzt, wo ich Ferien habe, werde ich versuchen, wieder etwas mehr zu schreiben. Meine wundervollen Leser haben es verdient, mehr als einmal die Woche einen schönen Post zu bekommen ;)
Heute würde ich euch gern den Anfang einer meiner Geschichten posten. Es ist ein Teil des Prologs, den ich schon eine ganze Weile fertig habe und der mal ganz anders geschrieben ist, als sonst: Nämlich in der dritten Person. Enjoy...


Prolog.

Es war ein regnerischer Sonntag im September und damit eigentlich kein Tag, an dem Anke Bothur ihre Wohnung verließ. Normalerweise pflegte sie an ihren freien Tagen das Ritual, ihre Beine hochzulegen und bei einer Tasse Tee den Nachmittagsklatsch im Fernsehen anzuschauen. Aber heute war sie doch aufgestanden. Die Umstände verlangten es so.
Auf der Straße befanden sich trotz des schlechten Wetters jede Menge Menschen. Mit der schwarzen Kleidung, die eigentlich so gar nicht ihr Stil war, fiel Anke noch mehr auf, als sie es sonst tat. Aber auch diese Sache war von den Umständen gefordert. Zwar war es schon lange keine Mode mehr...in Ankes Familie hatte man aber schon immer schwarze Kleidung getragen, wenn jemand gestorben war.
Die Straße, in die die ältere Frau nun einbog, lag in einer Gegend, in der sie noch nie zuvor gewesen war. Sie war verschrien als eine Gegend, in der viele Verbrechen passierten und Anke drückte ängstlich ihre Handtasche näher an sich. Sie hatte hier überhaupt nicht hin gewollt und wieder einmal fragte sie sich, warum man sie hierher beordert hatte.
Vor einem großen, backsteinfarbenen Gebäude blieb Anke stehen, rückte unsicher ihre runde Brille zurecht. Nummer 44. Hier war sie richtig, diese Adresse hatte der Mann am Telefon ihr genannt. Auf dem großen, weißen Schild neben der Tür war zu lesen, dass es sich um eine Gemeinschaftspraxis für Nervenheilkunde handelte. Eigentlich hatte Anke große Lust, sich einfach wieder umzudrehen, den weiten Weg nach Hause zu laufen und diese ganze Sache zu vergessen, wie sie es schon die ganze Zeit über versucht hatte. Und es wäre ihr sicher auch gelungen, wäre nicht besagter, unheilvoller Anruf gekommen. Und hier stand sie nun, unsicher, was sie tun sollte.
In diesem Moment ging die dunkle Metalltür auf und ein Mann trat aus dem Gebäude. Er war jünger als Anke, vielleicht Ende zwanzig, Anfang dreißig. Seine Augen waren müde und wiesen große Spuren schlafloser Nächte auf, vieler schlafloser Nächte. Auch sein 3-Tage-Bart und sein nicht mehr so frisch wirkendes Hemd zeugten davon, dass er wohl nicht mehr sonderlich viele Gedanken an die alltäglichen Dinge richtete.
Auch wenn es Anke widerstrebte, einen derart schmuddeligen Menschen anzusprechen, der noch dazu aus einem solchen Gebäude heraus kam, ging sie ein paar Schritte auf ihn zu.
Das Klacken ihrer Schuhe auf dem Asphalt verriet sie und der Mann hob den Kopf. Seine wasserblauen Augen sahen unendlich traurig aus, auch wenn er sich jetzt an einem gezwungenen Lächeln versuchte. "Kann ich ihnen vielleicht irgendwie helfen?"
Seine Stimme klang genau so, wie Anke vermutet hatte: rau, angespannt und genau so traurig, wie es seine Augen waren. Aber das Wichtigste war, dass sie seine Stimme erkannte.
"Davon gehe ich aus." antwortete Anke und konnte einen leicht pikierten Unterton nicht unterdrücken. "Ich denke ich gehe richtig in der Annahme, dass wir telefoniert haben, richtig? Sie sind doch Herr Karen?"
Schon leuchtete etwas in den Augen des Mannes auf. "Ja, ich denke da haben Sie recht. Dann müssen sie....Johannas Tante sein, nicht?"
Sofort, um noch mehr unheilvolle Begegnungen vorzubeugen, schrieb Anke ein unsichtbares Kreuz in die Luft vor ihrem Gesicht. Dann zischte sie scharf: "Anke Bothur. Sie wollten mich sprechen?"
Etwas verwirrt von ihrer kalten Art nickte Herr Karen. "Ja, das ist richtig. Aber lassen sie uns solche Dinge nicht hier draußen besprechen." Er warf seine Zigarette auf den Boden und trat sie gedankenversunken aus, auch wenn sie mitten in einer Pfütze gelandet war. Dann lächelte er unsicher. "Wenn sie mir bitte folgen möchten, Frau Bothur?"
"Eigentlich nicht, aber was bleibt mir denn jetzt noch für eine Wahl?" brummte Anke und stolzierte hochnäsig durch die aufgehaltene Tür.
Im Inneren folgte sofort ein kleines Wartezimmer, indem ein paar Menschen auf den bunten Plastikstühlen saßen, in Zeitschriften blätterten und aufsahen, als sie eintrat.
Anke Bothur wünschte sich in diesem Moment nichts sehnlicher, als die Zeit zurückdrehen zu können. Hätte sie diesen Anruf doch nur ignoriert! Wäre sie doch gar nicht erst ans Telefon gegangen, als es an ihrem freien Tag geklingelt hatte! Wenn die Leute aus ihrer Nachbarschaft hörten, dass sie sich an einem Sonntagnachmittag in einer Nervenheilanstalt aufhielt...was würden sie reden! Wahrscheinlich würde jeder denken, dass sie aufgrund des Todes ihrer Nichte nicht mehr ganz richtig im Kopf war und Anke wollte sich gar nicht vorstellen, was das für furchtbare, soziale Folgen mit sich zog!
„Hier entlang, Frau Bothur...“ Herr Karen wie ihr eine Richtung und lief dann den Flur entlang.
Anke Bothur schnaubte. Gut, der Typ hatte wenigstens ein paar Manieren. Leiden konnte sie ihn trotzdem nicht, immerhin war er schuld an ihrer derzeitigen Misere! Mit kleinen, aber energischen Schritten folgte sie ihm, nicht ohne den Menschen im Wartezimmer noch einen abschätzigen Blick zuzuwerfen. Armes, geisteskrankes Gesindel!
Herr Karen steuerte ein kleines Büro am Ende des Ganges an, öffnete die Tür und ließ Anke hinein. Sie sah sich einen Augenblick um, auch wenn es in diesem spärlich eingerichteten Zimmer nicht sonderlich viel zu sehen gab. Nur ein Schreibtisch, zwei Stühle und ein Beistelltischchen mit einer halb verwelkten Blume darauf, mit der wohl jemand krampfhaft versucht hatte, etwas Atmosphäre zu schaffen.
Anke drückte ein verächtliches Lachen, bevor sie sich auf den Stuhl gegenüber des Schreibtisches Platz nahm und die kleine schwarze Tasche auf ihrem Schoß abstellte.
Herr Karen nahm nicht sofort Platz, sondern lief zuerst zu dem Fenster hin und sah kurz hinaus. Die ganze Zeit knetete er dabei seine Hände, als müsse er sich einen Moment lang sammeln. Dann fuhr er zu Anke herum und versuchte es erneut mit einem Lächeln. „Wie unhöflich von mir. Ich sollte Ihnen womöglich einen Tee oder einen Kaffee anbieten. Ich bin in letzter Zeit etwas durch den Wind, sie verstehen...“

Das war doch heute mal ein langer Post! Hat es euch gefallen? Möchtet ihr vielleicht mehr davon lesen? Ab heute habt ihr die Möglichkeit, mit einem Klick unter dem Post eure Meinung kund zu tun: "Mehr davon!", "Gefällt mir" und "Muss nicht sein" habt ihr als Auswahl und ich würde mich freuen, wenn ihr das nutzt ;)



Kommentare:

  1. Liebe Anne, vielen Dank fürs Teilen. Mir gefällt dieser Ausschnitt wirklich sehr gut und mich würde brennend interessieren, wie es weiter geht. Hast Du ein Voting angelegt für diesen Artikel? Ich kann ihn nämlich nicht finden:-(

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    1. Ich werde auf jeden Fall noch den Rest vom Prolog posten.
      Leider wird das Voting nicht angezeigt, muss mich mal auf Fehlersuche begeben. :/

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  2. Toller Text, ich mag deinen Schreibstil! Werde gleich mal den Rest lesen, den du online gestellt hast. Machst du das privat, oder möchtest du auch veröffentlichen?
    Viele Grüße,
    Anna

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    1. Bei dieser Geschichte weiß ich es noch nicht, aber man kann auf jeden Fall Beta-Leser von ihr werden ;)
      Andere Geschichten werde ich bald veröffentlichen.

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